EFFI BRIEST

Theodor Fontane / Premiere am 14. Januar 2017

Die siebzehnjährige Effi Briest heiratet auf Wunsch ihrer Eltern den zwanzig Jahre älteren Baron von Innstetten, denn „wenn es Liebe schon nicht sein kann, dann doch wenigstens Reichtum und Ehre“. Sie zieht mit ihm in die Provinz. Schnell droht die lebenslustige junge Frau an der Seite ihres leidenschaftslosen Ehemannes an Einsamkeit und Langeweile zugrunde zu gehen. Und nachts spukt im Haus ein alter Chinese. Effi flüchtet sich in die Arme des jungen Majors Crampas, der ihr das Leben für eine kurze Zeit erträglicher macht. Doch als Jahre später Innstetten von dem Verhältnis erfährt, fordert er Crampas zum Duell …

Theodor Fontanes Porträt der jungen, im Unglück endenden Effi Briest wurde sein größter literarischer Erfolg und stellt bis heute aktuelle Fragen: Wie wichtig ist der gesellschaftliche Status? Welchen Raum darf man den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen einräumen? Wie viel Mut erfordert es, mit den Konventionen zu brechen und den eigenen Glücksanspruch einzulösen?

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Materialmappe


Regie Tanja Weidner
Dramaturgie Saskia Zinsser-Krys
Ausstattung & Kostüme Stefan Bleidorn

Mit Aida-Ira El-EslamboulyAom FluryRamona Marx, Alina Müller, Orhan Müstak, Helmut Rühl


Presseecho

Wilhelmshavener Zeitung vom 16/01/2017:
„Geschickt spielt Regisseurin Tanja Weidner mit den Mitteln des Theaters. Mit grünlicher Lichtstimmung verleiht sie Effis Ängsten Ausdruck, schauerlich lässt sie Gardinen wehen und die gesichtslose Gestalt des eingebildeten Chinesen auf der Bühne ruhelos umher wandern. Alles passend untermalt mit der richtigen Schauermusik. Fabelhaft setzt Tanja Weidner zudem das Erzählerische des Romans um und bewahrt den Zauber des Originals. Überhaupt nicht störend wirkt es, wenn die Schauspieler urplötzlich aus ihren Rollen fallen und zum Erzähler ihrer eigenen Geschichte – und der von Effi – werden. Auf diese Weise entsteht ein ganz eigenes Gesamtkonstrukt dieses Klassikers, den Tanja Weidner und Dramaturgin Saskia Zinsser-Krys so gut für die Bühne bearbeitet haben.“ (…) „Im sehr wandelbaren, abstrakten Bühnenbild von Stefan Bleidorn gibt sie dem Paar einen Raum, in dem die Auswüchse der Affäre sichtbar werden. Effi agiert mit einer  Leidenschaft, die sie mit Baron von Instetten wohl kaum an den Tag legen würde. Generell sind die  Aufteilung von Raum und Zeit im Bühnenbild ein Genuss.“
Die Kritik bringt auch die Stärken von Regie, Dramaturgie, Ausstattung und  Ensembles zutage:
„Regisseurin Tanja Weidner hat ein charmantes Gesamtkunstwerk auf die Bühne gebracht. Alina Müller als Effi Briest verleiht der Protagonistin perfekt kindliche Naivität und Koketterie.“ (…)“Die historischen Textvorlagen offenbaren ein Frauenbild, das heute zu Kopfschütteln verleitet, jedoch auch einen Witz, den das Ensemble bestens darzustellen vermag.“ (…) „Neben einer fabelhaften Alina Müller als Effi Briest brilliert auch Ramona Marx in ihrer Rolle als deren Mutter. Marx scheint in ihren Gesten und ihrer Haltung fast puppenhaft, bewegt sich stets passend zur Rolle auf eine affektierte, gespannte Weise mit einer etwas herablassenden Mimik, die weicher wird, wenn sie mit Effis Naivität konfrontiert wird. Gleichzeitig kann sie sich in ihrer Rolle als Haushälterin Johanna  zurücknehmen. Alina Müller verkörpert die Effi auf eine wunderbare Art und Weise, ihr gelingt der Spagat zwischen dem unbedarften, jungen Mädchen, das sich ihren Eltern, ihrem Mann und letztlich der Gesellschaft unterordnet, sowie der selbstbewussten Frau, die mit der Mutterschaft und ihrer Schuld des Ehebruchs und der damit verbundenen Konsequenzen erwachsen wird. Doch auch Helmut Rühl bezaubert als gutmütiger Vater und Apotheker Gieshübler und Aom Flury zeigt sich als Baron von Instetten in stocksteifer Gestik und Mimik immer im Zwiespalt zwischen seinen eigenen Bedürfnissen und den gesellschaftlichen Zwängen. Prickelnd wird es, wenn Orhan Müstakdie Bühne betritt. Mit feurigen Blicken, charmanten Worten und der Flucht aus dem langweiligen Alltag gelingt es seiner Figur Crampas, Effi Briest für sich zu gewinnen. In gleich drei Rollen beweist Aida-Ira El-Eslambouly wieder einmal in Perfektion ihre Wandelbarkeit. Sie überzeugte sowohl als Effis  lebenslustige Freundin Hulda, als auch als bodenständiges Haus- und Kindermädchen Roswitha sowie als extrovertierte Sängerin Trippelli.“

Nordwest Zeitung vom 16/01/2017:
„Der Major fällt, Effi wird verstoßen, Konventionen siegen über das Leben. Wie viel Liebe im Spiel war, bleibt in Fontanes Erfolgsroman – anders als bei Tolstois „Anna Karenina“ – diffus. Die Inszenierung der Landesbühne Nord unter der Regie von Tanja Weidner arbeitet das wunderbar heraus. Es geht nicht um Schuld in einem Geschlechterkampf, sondern um die immer aktuelle Frage, was passiert, wenn der gesellschaftliche (oder politische oder religiöse) Rahmen wichtiger ist als die zwischenmenschlichen Beziehungen. So spielt der Rahmen auch optisch eine Hauptrolle in der sehr gelungenen Inszenierung, mit der die Landesbühne in ihrer kleinen Spielstätte TheOs am Samstagabend Premiere feierte. Das exzellente Bühnenbild von Stefan Bleidorn besteht aus zwei asymmetrischen, ineinander geschobenen Holzrahmen, die in der Mitte mit einer Achse verbunden sind und außen auf Rollen bewegt werden können. Die offenen Räume von Effis Elternhaus verwandeln sich mit ein paar Handgriffen in das immer enger werdende „Spukhaus“ in Kessin, in das Effi nach der Hochzeit mit ihrem wesentlich älteren Mann ziehen muss und in dem ihr als „Gespenst“ ein Chinese erscheint, der ihre Ängste vor Fremdem und gleichzeitig ihre Sehnsucht nach Exotik verkörpert.“ (…)
„Alina Müller zeigt Effi zwischen kindlicher Unbefangenheit und (anerzogenem) Pragmatismus. „Und wenn es Zärtlichkeit und Liebe nicht sein können, dann bin ich für Reichtum und ein vornehmes Haus“, sagt sie. Ganz im Sinne ihrer beherrschten Mutter (wunderbar gespielt von Ramona Marx), die – Ironie des Schicksals – einst auf ihre Liebe zu Baron von Innstetten verzichtete und als bessere Partie Herrn von Briest (Helmut Rühl) heiratete.
Für den Verführer Major Crampas, dem Orhan Müstak eine charmante Melancholie verleiht, ist Effi nur eine von vielen Eroberungen. Dem Kodex folgend, stellt er sich aber dem Duell mit Innstetten. Dieser (gespielt von Aom Flury) bleibt blass, tut einem fast ein bisschen leid mit seiner Aufgesetztheit und seinen hilflosen Gefühlen für Effi, die er für Liebe hält.
Ensembleleistung (mit dabei ist noch Aida-Ira El-Eslambouly in mehreren Nebenrollen), Musik, Kulisse – alles passt in diesem gut zweistündigen Stück. Das TheOs am Wilhelmshavener Bontekai hat sich als zweite Spielstätte der Landesbühne ein Jahr nach der Eröffnung etabliert – und startet nun mit einem sehenswerten Klassiker ins zweite Jahr.”

Ostfriesischer Kurier vom 13/02/2017:
„Volltreffer – besser hätten die jungen Erwachsenen, sich im nächsten Jahr mit „Effi Briest“ im Rahmen ihres Abiturs auseinandersetzen müssen, nicht klarmachen können, dass sie Handlung, Inszenierung, Bühnenbild hundertprozentig verstanden haben.“ (…) „Sie klatschen laut, johlen, pfeifen, auch „Zugabe“ ist zu hören.“ (…) Regisseurin Tanja Weidner dramatisiert bewusst nicht.“ (…) „Weidner ist es gelungen, das Stück authentisch wirken zu lassen. Da ist nichts Übertriebenes, nichts Überflüssiges. Die Geschichte ist schlicht auf den Punkt gebracht.“
„Alina Müller verkörpert diese Effi wunderbar leicht naiv. Große Augen blicken ins Publikum. Ein großes Kind, das da mit der Freundin über die Bühne hüpft.“ (…) „Mutter Luise, die doch selbst so auf Etikette bedacht ist. Ramona Marx kriegt das prima hin. Immer schön steif bleiben! Liebe ist aus ihrem Mund ein inhaltsloses Wort, hat mit Ehe nichts zu tun.“ (…) „Da passt alles: Die schneidige Stimme, der starre Blick, die Kälte pur.“ (…)
„Für Bühnenbild und Kostüme ist Stefan Bleidorn verantwortlich. Er beschränkt sich auf das Wesentliche – der Symbolgehalt ist umso größer.” 

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