UNSCHULD

UNSCHULD

Dea Loher / Premiere am 11. März 2017

Zwei illegale Immigranten stehen am Meer und sehen, wie eine Frau ertrinkt. Sie können sie nicht retten und machen sich dennoch schuldig. Der eine fürchtet daraufhin schlaflose Nächte, der andere findet Gott in einer Tüte. Die blinde Striptease-Tänzerin Absolut lässt sich auf einer kleinen Bühne von Männern betrachten, weil das der einzige Ort ist, wo sie es nicht heimlich tun. Die alleinstehende Frau Habersatt bittet bei Eltern für die Taten ihres amoklaufenden Sohnes, der gar nicht existiert, um Vergebung. Franz arbeitet bei einem Bestatter und interessiert sich mehr für die Verstorbenen als für seine Frau Rosa, die sich seit langem ein Kind wünscht. Stattdessen zieht ihre Mutter, die zuckerkranke Frau Zucker, bei ihnen ein. Und dann ist da noch die Philosophin Ella, die in ihrer Theorie „Über die Unzuverlässigkeit der Welt“ all diese Geschichten zu vereinen scheint.

Dea Loher ist eine der meistgespielten Gegenwartsautorinnen und verwebt in UNSCHULD klug, witzig und poetisch große Menschheitsfragen, kleine Alltäglichkeiten und Geschichten von gesellschaftlichen Grenzgängern.


Begleitmaterial


Regie Eva Lange
Bühne & Kostüme: Carolin Mittler
Dramaturgie Lea Redlich
Sprechcoaching: Deborah Ziegler

Mit Timon Ballenberger (Elisio), Simon Ahlborn (Fadoul), Alina Müller (Absolut), Anna Gesewsky (Frau Habersatt), Julius Ohlemann (Franz), Johanna Kröner (Rosa), Aida-Ira El-Eslambouly (Frau Zucker), Ramona Marx (Ella), Jördis Wölk (Mutter eines getöteten Mädchens), Aom Flury (Vater eines getöteten Mädchens, Helmut)


Presseecho

„Mit Humor versucht Regisseurin Eva Lange die subtile Traurigkeitder Geschichte aufzubrechen. Mal gelingt das mit einem herzlichen Lachen, malist es doch eher ein müdes, verzweifeltes Lächeln.“ (…)“Das Bühnenbild von Carolin Mittler – graue Bauten und kalte Halogenlampen – passt bestens zudieser Melancholie.“ (…) „„Unschuld“ ist eine Herausforderung. Eva Lange ist damit eines gelungen: die Zuschauer werden sie noch lange inErinnerung behalten. Und der lang anhaltende Applaus, zu dem sich das Publikum erhob, zeugte von der Anerkennungdes Publikums, während Intendant Olaf Strieb lobende Worte für seine Oberspielleiterinfand.“
„Jeder der zehn Akteure befasst sich mit seiner eigenen Form von Schuld undUnschuld. Jeder sieht seine eigene Beteiligunganders.“ (…) „Stripperin Absolut ist zwar blind, besitzt aber erschreckend vielWeitblick und konfrontiert die beiden immer wieder mit ihren klugen Gedankenüber die Welt. Alina Müller spielt sich in dieser Rolle mit Witz, Charme undgrenzenloser Ehrlichkeit in die Herzen der Zuschauer. Clara Habersatt (großartigschrullig: Anna Gesewsky) hat indes nie mit ihrer erlittenen Fehlgeburtabgeschlossen. Was wäre aus ihrem Sohn geworden? Ein Dieb, ein Mörder womöglich?Wie geht man als Mutter damit um? Sie konnte doch nichts dafür. Clara Habersattgibt sich als Mutter eines Amokläufers aus und sucht die Angehörigen der Opfer(wunderbar schockiert: Aom Flury und Jördis Wölk) auf – um sich für die Taten ihresSohnes zu entschuldigen.“ (…) “Das endet für Rosa dagegen gar nicht so rosig. Johanna Kröner spielt die junge Frau so einfühlsam, dass es ein Graus ist, zusehen, wie ihr Mann Franz (herrlich verschroben: Julius Ohlemann) sich liebermit den Toten beschäftigt, als mit ihr ein Kind zu zeugen. Ihre Mutter, Frau Zucker,(ganz groß: Aida-Ira El Eslambouly) ist auch keine große Hilfe: Sie wirft ihrerTochter vor, unerotisch zu sein.“ (…) „Die Philosophin Ella hält all dieseFäden zusammen. Für sie sind sie ein Beweis für die Unzuverlässigkeit der Welt.Ihr stärkster Charakterzug ist wohl die Unzufriedenheit. Unzählige Leserbriefe hatsie geschrieben, aber nie abgeschickt, ihre selbst verfassten Bücher hat sieverbrannt und ihren Mann Helmut, der mit stoischer Gelassenheit Schmuckfertigt, hasst sie eigentlich. Ramona Marx gelingt es grandios, diesertragischen Figur Leben und Witz zu verleihen.“

Wilhelmshavener Zeitung

„Ein Drama mit geballter Dichte und einem Handlungsverlauf, der in seiner Vielschichtigkeitin der Regiearbeit ebenso einen feinfühligen Dirigenten als auch einenkonsequenten Dompteur erforderte, und somit prädestiniert war für Eva Lange,die bei dieser Inszenierung, dramaturgisch unterstützt von Lea Redlich, einmal mehrmit ihrer Regieleistung überzeugte.“ (…) „Die Szenen wechseln und die Zeiten.Die mitunter fast nicht auszuhaltenden Abgründe werden mit sachtem Humoraufgefangen  und mit Situationskomik,bei der man nicht lachen muss, aber darf.“ (…)
„Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschwimmen und verlangen vom Zuschauerviel Gespür und Konzentration. Dass diese verschlungene Bündelung eine Chancehat, vom Publikum in all ihren Facetten wahrgenommen zu werden, istinsbesondere auch der großartigen Leistung der Schauspieler zu verdanken, dieihre Figuren mit detaillierten, überzeugenden Charakterprofilen gezeichnethaben.“

Jeversches Wochenblatt

„Für die gelungene Inszenierung der LandesbühneNiedersachsen Nord gab es bei der Premiere von „Unschuld“ von Dea Loher (2003uraufgeführt) am Sonnabend im Stadttheater Wilhelmshaven großen Applaus.“
Nordwest Zeitung

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