DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS

DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS

Wolfram Lotz / Premiere am 17. September 2016

Angelehnt an Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ erzählt Wolfram Lotz in DIE LÄCHERLICHE FINSTERNIS von der Unmöglichkeit, das Fremde zu verstehen: Weil wir uns selbst nicht verstehen und eine Bühne am Ende immer eine Bühne bleibt.Ein somalischer Pirat erzählt von den Fischgründen, die von den Flotten wohlhabenderer Länder leergefischt wurden. Zwei Bundeswehroffiziere reisen durch die Wildnis, auf der Suche nach einem Oberstleutnant, der zwei Kameraden getötet hat. Eingeborene, die sich in den Schutz von Blauhelmen begeben, werden von diesen an Unternehmer „vermietet“, um Rohstoffe für die globale Handyproduktion abzubauen.


Was bei Conrad der Kongo und bei Coppola Vietnam war, wird bei Lotz zur Wildnis, die Afghanistan heißt, aber ein Regenwald ist. Alles zerfließt, Länder, Namen, Grenzen. Schuld und Unschuld verschwimmen. Und immer wieder durchbricht der Autor jede Theaterillusion. Er nimmt uns mit auf eine Weltreise, an deren Ende nur noch das Ich und seine Existenz stehen – im Dunkeln.

ca. 2:00 Stunden (ohne Pause)


Regie Eva Lange
Bühne und Kostüme Sophie M. Frauscher
Dramaturgie Saskia Zinsser-Krys
Regieassistenz Elisabeth Zwingmann

Mit Anna Gesewsky, Jördis Wölk, Caroline Wybranietz, Mechthild Grabner


Presseecho

Die Wilhelmshavener Zeitung zeigte sich besonders vom Ensemble und der Arbeit der Regie überzeugt:
„Die Schauspielerinnen zeigten in der Inszenierung von Oberspielleiterin Eva Lange eine starke Leistung.“ (…) „Landesbühnen Oberspielleiterin Eva Lange hat ein Werk auf die Bühne gebracht, das nachdenklich stimmt und zum Grübeln bringt, gleichzeitig aber auch Lust am Zuhören von Geschichten ans Licht bringt.“ (…) Die vier Schauspielerinnen Mechthild Grabner, Anna Gesewsky, Jördis Wölk und Caroline Wybranietz  schlüpfen wechselnd in die Rollen von Pellner, Dorsch und den anderen Figuren. Ein gut gewählter Schachzug von Regisseurin Eva Lange, die eigentlich Männerrollen mit Frauen besetzt. Die konnten perfekt diese harte Männerwelt mit imposantem Auftreten persiflieren. Die Frauen zeigen eine starke schauspielerische Leistung. Dank der schnellen Rollenwechsel vom dominanten Pellner über den leicht einzuschüchternden Dorsch bis hin zum verrückten Kommandeur mit Putzzwang konnten Sie zeigen, wie wandelbar sie innerhalb kürzester Zeit sind.“ Auch das Bühnenbild stieß bei der Redakteurin auf große Zustimmung: „Das Bühnenbild von Sophie Marie Frauscher unterstützt das Fragmentarische der Produktion ideal. So wird aus dem dunklen Fluss mal ein grüner Regenwald, dann wieder eine Art Kapelle, nur um später die erdrückende Dunkelheit immer näher rücken zu lassen und damit symptomatisch für den Verlust des Verstandes in dieser „wuchernden Wildnis“ zu werden.”

Auch das Jeversche Wochenblatt fand lobende Worte zu unserer Produktion: „Die lächerliche Finsternis“ sprengt alle Erwartungen- Autor spielt mit Vorstellungskraft des Publikums“ (…) Schluss mit abgedroschenen Metaphern, Schluss mit erzwungener Ernsthaftigkeit gehüllt in hübsche Kostüme. Theater kann mehr! Es geht auch anders!, schien dieses Stück die Zuschauer förmlich anzuschreien.“ (…) „Auf ironische Weise spielt der Autor Wolfram Lotz mit den festverankerten Bildern in unseren Köpfen.“ (…) „Denn im Endeffekt lacht man nicht über die halbnackten Eingeborenen, die auf der Bühne anstößige Gesten machen, sondern über sich selbst. Weil man sich dabei ertappt, dass man wirklich diese Vorstellung hat. (…) „Der Text wurde eigentlich als Hörspiel konzipiert und erhält durch den Ideenreichtum von Eva Lange eine Visuelle Ebene, die eine erfrischende Reizüberflutung verursacht.“ (…) „Die vier Schauspielerinnen Anna Gesewsky, Jördis Wölk, Caroline Wybranietz und Mechthild Grabner spielen nicht nur jeweils mehrere Rollen in dem Stück, sondern tauschen diese auch untereinander. Dies meistern sie so überzeugend, dass die Übergänge nahtlos sind und der Zuschauer es als gegeben hinnimmt. Auch der schnelle Wechsel zwischen den extremen Gefühlslagen und zahlreichen Schauplätzen gelingt so authentisch, dass man abgeholt und mitgerissen wird.“ (…) „Wer das Gewohnte sucht, wird hier entäuscht. Wer überrascht, irritiert und unterhalten werden möchte, kommt voll auf seine Kosten. Bitte mehr davon!“

Der Ostfriesische Kurier findet klare Worte für das Stück und besonders für die Leistung des Ensembles: Es ist alles total verrückt und stimmt doch irgendwie. Es ist ein Theaterstück, aber nein, eigentlich ist es ein Hörspiel. Wir wollen etwas sehen im Theater, aber diesmal sind wir vor allem da, um zu hören. (…) Man versteht nichts mehr. Aber darum geht es wohl auch. Oder gerade nicht. Manche finden das Landesbühnenstück „Die lächerliche Finsternis“ so verrückt, dass sie gehen, kaum dass zehn Minuten gespielt sind. Andere sind total gefesselt und lassen sich mitreißen im Strom, tauchen völlig ein und unter.“ (…) Was ist normal, was verrückt? In diesem Stück steht man immer wieder vor genau dieser Frage. Nichts ist normal, kein Wort, keine Szene, keine Geschichte. Regisseurin Eva Lange hat Mechthild Grabner, Anna Gesewsky, Caroline Wybranietz und Jördis Wölk Unglaubliches abverlangt. Die vier wechseln permanent die Rollen. Sind mal Pirat Ultimo, mal einer der beiden Soldaten Pellner oder Dorsch (…).“ (…) „Allein das ist eine unglaubliche Leistung. Und ein konsequenter Schachzug, der Regisseurin, die Lotz auf Geschichte auf der Bühne weiterführt.“ (…) Eva Lange hätte es einem so leicht machen können. Einfach die traurige Geschichte des Menschen Ultimo erzählen.  Dass er aus Verzweiflung Pirat wurde, seinen Freund im Meer verschwinden sah. Sie hätte die zwei Soldaten nach Bühnen-Afghanistan schicken, den Offizier suchen lassen können. Einfach so. Aber das wäre dem Charakter des Stückes nicht gerecht geworden. Überhaupt nicht. Sie nimmt in Kauf, das Publikum vor den Kopf zu stoßen, dem sie diese Kaskade an Satzungetümen zumutet, nimmt in Kauf, dass diese das ganze Stück für völlig bescheuert halten.“ (…) „Ob man es gut findet, wie Eva Lange das Stück präsentieren lässt, ist am Ende fast egal. Ihr Ziel hat sie in jedem Fall erreicht. Das Publikum aufgeschreckt, vielleicht  wütend gemacht („Warum habe ich mir das zwei Stunden angetan?“). ganz sicher hat sie den vier jungen Schauspielerinnen (keine ist älter als 30!), die Mammutleistungen mussten bringen musste, gezeigt, was sie zu leisten im Stande sind. Die können Endlosmonologe sprechen, schnell, schneller, noch schneller. Sinniges und Unsinniges kombiniere, herrausschwatz, -trompeten, – zelebrieren. Können das Ganze garnieren mit einer Mimik und Gestik, die allein den Atem stocken lässt.“ (…) „Vor allem aber bleiben Mechthild Grabner und Caroline Wybranietz im gedächtnis. Die eine in ihrer Rolle als Pirat Ultimo und als Reverend, die andere als Papagei. Kriegt man kaum mehr aus dem Kopf, diese Mimimk, diese Gestik, dieses Gefühl, dass beide mit jeder Faser die Figuren verkörpert, in sich aufgesogen haben. Das war schon klasse!“.

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