DIE SCHUTZBEFOHLENEN

DIE SCHUTZBEFOHLENEN

Elfriede Jelinek / Premiere am 19. November 2016

„Bitte helfen Sie uns. Unser Fuß hat Ihr Ufer betreten, doch wie geht es nun weiter?“ Immer wieder wird über Sinn und Unsinn einer Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen gestritten. EU-Grenzen werden geschlossen. Fast täglich gibt es Meldungen von Brandanschlägen und rassistischen Übergriffen, die Silvesternacht in Köln wird zum Menetekel. Wer vor wem oder was geschützt werden muss, ist ein vieldiskutiertes Politikum.

Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek verwebt in DIE SCHUTZBEFOHLENEN die heutigen Tragödien der Asylsuchenden an den EU-Außengrenzen, die Katastrophe vor Lampedusa, ihre Ursachen und ihre Folgen mit Motiven aus Aischylos’ Flucht-Tragödie „Die Schutzflehenden“ zu einem sprach- und bildgewaltigen Chor. In diesen Chor nisten sich die Stimmen der fremdenfeindlichen, ängstlichen und auf Besitzstandswahrung bedachten Bürger ein, die das uralte Menschenrecht der Gastfreundschaft mit Füßen treten. Mit großer Direktheit und Wut kämpft Elfriede Jelinek nicht nur gegen Missstände des Asylrechts, sondern auch gegen die Verzweiflung über unsere eigene Passivität angesichts der Ohnmacht der Schutzbedürftigen.


Regie Eva Lange
Ausstattung Gunna Meyer
Dramaturgie Lea Redlich
Sprechcoaching Deborah Ziegler

mit: Timon Ballenberger, Aida-Ira El-Eslambouly, Anna Gesewsky, Zenzi Huber, Alina Müller, Orhan Müstak, Metin Turan, Jördis Wölk, Caroline Wybranietz

Statisterie: Samuela Abdyli, Serfaraz Alqaidi, Hussam Al Bakkar, Ahmad Buomar, Beri Hamousch, Osman Hamousch, Arash Hosinpoor, Florentine Klinaku, Mohamad Sido


Presseecho

Nicht nur das Publikum bestätigte der Landesbühne großartige Arbeit geleistet zu haben. Das Jeversche Wochenblatt beschreibt DIE SCHUTZBEFOHLENEN als „Sternstunde des deutschen Theaters“. „Es gibt Inszenierungen, die wirken schier beseelt angesichts einer ungemeinen Komplexität und ihrer genialen Bündelung und Ausstrahlungskraft. „Die Schutzbefohlenen“ von Elfriede Jelinek unter der Regie der Landesbühnen-Oberspielleiterin Eva Lange und der dramaturgischen Betreuung von Lea Redlich zählt zu jenen kostbaren Gesamtkunstwerken, die die deutsche Theaterszene als Sternstunde verbuchen darf.“ (…) „Jelineks Sätze sind gewaltig, sind so derart aussagestark, dass der Zuschauer am Anfang hofft,  die Konzentration über die gesamte Dauer aufrecht halten zu können. Dass dies hervorragend gelingt, ist nicht nur dem musikalischen und gut verständlichen Sprachstil Jelineks zu verdanken, sondern auch der hohen Sprechkultur der Mitwirkenden. Wie akribisch sie unter der Leitung Eva Langes an ihrem perfekten chorischen Sprechen gearbeitet haben, das stimmig ist bis zum leisesten Atemzug, und an der bis auf die kleinste Silbe wohlgeformten Aussprache, lässt sich nur erahnen. Jeder Satz wirkt, ergreift das Publikum und lässt es begreifen.“ (…) „Es sind die Worte und auch die Bilder, die nachhaltig wirken: Die Bewegungen aller Mitwirkenden bilden eine grandiose Gesamtchoreographie mit eindringlicher Wirkung, und die Auftritte der Allegorien bleiben nachhaltig haften.“ (…) „An diesem Abend wurde zugehört. Die Zuschauer reagieren tief beeindruckt und bewegt und würdigen die große Leistung der Mitwirkenden mit brandendem Applaus.“
Auch das Ensemble und die anderen Akteure finden größtes Lob. „Inszenierung von Eva Lange (Regie) und Lea Redlich (Dramaturgie) ist eine Sternstunde des deutschen Theaters.“ (…) „Entsprechend hatte die Bühnen- und Kostümbildnerin Gunna Meyer einen atmosphärischen Kirchenraum entworfen, der auf geniale Weise eine perfekte Kulisse bot zu den zahlreichen Bildern, die diese Inszenierung dem Publikum bot.“ (…) „Das Spiel der Geflüchteten, von denen einige erst wenige Monate in Deutschland leben, gestaltete sich allerdings weitaus professioneller, als es von Amateuren zu erwarten ist. Samuela Abdyli, Serfaraz Alqaidi, Hussam Al Bakkar, Ahmad Buomar, Bert Hamousch, Osman Hamousch, Arash  Hosinpoor, Florentine Klinaku und Mohamad Sido begeistern das Publikum mit eindrucksvollen Auftritten und der Perspektivverschiebung in dieser Inszenierung.“ (…) „Rot taucht wieder auf, das lebendige Rot in Gestalt von Anna Netrebko, divenhaft dargestellt von Jördis Wölk. Anna, die Österreich mit Kusshand aufnahm.“ (…) „Zuletzt taucht Europa auf. Im stummen Spiel mimt Caroline Wybranietz die angeschlagene Allegorie, wankend, wirr, zusammensinkend. Zenzi Huber singt berührend „This bitter Earth“ von Dinah Washington.

Die Wilhelmshavener Zeitung betitelt DIE SCHUTZBEFOHLENEN in der Einleitung als „einzigartiges Theater-Kunstwerk“. (…) „Der durchgängig chorische Charakter unterstreicht das allgegenwärtige Elend aller Flüchtlinge, lässt es zeitlos erscheinen. Diese Vortragsform erhöht die Bedeutung dieser eindringlichen Texte und sensibilisiert das Publikum für facettenreiche Botschaften der Schauspieler. Wie aus einem Guss geschmiedet, formieren sich die in ihren Rollen völlig durchgearbeiteten Akteure mal organisch als Masse, mal individuell. Sprache und Körperlichkeit werden eins, bewegen sich im Rhythmus anklagender Endlostexte.“
Auch die Ensembleleistung findet das Lob der Zeitung: „Textströme fluten die Komfortzone des Abendlandes.“ (…) „Und das können Aida-Ira El-Eslambouly, Anna Gesewsky, Jördis Wölk, Caroline Wybranietz, Alina Müller, Zenzi Huber, Metin Turan, Orhan Müstak und Timon Ballenberger geradezu meisterlich. Geschlossenheit wird zum theatralischen Gesamtkunstwerk. Durch das kraftvolle Zusammenspiel des Klagechors gewinnt der Text zusätzlich an Fahrt. Für diesen schauspielerischen Höchsteinsatz kann man einfach nur dankbar sein! Auch Eva Lange, die fast schon routinemäßig mit einer außergewöhnlichen Regiearbeit aufwartet, gebührt größte Anerkennung. Lange und Dramaturgin Lea Redlich funktionieren im Team. Als Teamarbeiter verstehen sich ganz bestimmt auch die Laienschauspieler mit Fluchterfahrung. Ihre offensichtliche Spielfreude zählt zu den Höhepunkten der Inszenierung. Den Rollentausch perfektionieren Samuela Abdyli, Serfaraz Alqaidi, Hussam Al Bakkar, Ahmad Buomar, Beri Hamousch, Osman Hamousch, Arash Hosinpoor, Florentine Klinaku sowie Mohamad Sido im Gleichschritt und beunruhigendem Einheitsmantel.“ (…) „In großer Robe fegt die Netrebko (raumfüllend Jördis Wölk) über die Bühne, singt alles an die Wand. Für Europa heißt es hingegen „Götterdämmerung“. Wagners Trauermarsch begleitet die Abgehalfterte und Caroline Wybranietz verleiht ihr die nötige Gebrechlichkeit. Gesanglich setzt Zenzi Huber mit Dinah Washingtons melancholischer Hymne „This Bitter Earth“ einen  beeindruckenden Schlussakkord.“

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