Sommernachtstraum

EIN SOMMERNACHTSTRAUM

William Shakespeare, übersetzt und bearbeitet von Rebekka Kricheldorf / Premiere am 27. Februar 2016

„Dieses Zeug hier macht dich scharf.“ Mit diesem Satz setzt Puck der Kobold in Shakespeares berühmtester Komödie die Kette von Liebesverwicklungen in Gang, die dazu führt, dass sich die jungen Liebenden Hermia, Helena, Lysander und Demetrius die ganze Nacht in allen denkbaren Paarungen kreuz und quer durch den Wald jagen, bis Feen-König Oberon alle in tiefen Schlaf versenkt. Als sie am nächsten Morgen aufwachen, halten sie alles für einen Traum und endlich finden die zusammen, die zusammen gehören. Auch Theseus, Herzog von Athen, und Hippolyta, Königin der Amazonen, haben ihre Verstimmungen überwunden, so dass dem Happy-End samt dreifacher Hochzeit nichts mehr im Weg steht.Wie alle Komödien Shakespeares endet auch der SOMMERNACHTSTRAUM gut, aber unterwegs kippt er mehrmals in einen Alptraum. Es ist diese Ambivalenz, die seine Stücke so zeitlos macht. Scheinbar mühelos gelingt es Shakespeare, die Facetten der Liebe in all ihrer Widersprüchlichkeit auszuleuchten. Zum Mitträumen.


Regie Jan Steinbach
Bühne & Kostüme Jule Dohrn-van Rossum
Dramaturgie Peter Hilton Fliegel

Regieassistenz Maximilian Schuster
Soufflage Petra Hillers
Inspizienz Udo Heinrichs
Beleuchtung Hermann Hanneken
Techn. Ltg. Larissa Gund
Maske Eva Brodowski
Requisite Christoph Kremke / Jochen Kempa
Kostümwerkstatt Manuela Dillwitz

Mit Mathias Kopetzki* (Theseus, Herzog von Athen / Oberon, König der Elfen), Aida-Ira El-Eslambouly (Hyppolita, Königin der Amazonen, mit Theseus verlobt / Titania, Königin der Elfen), Alina Müller (Hermia, Egeus Tochter, in Lysander verliebt), Sarah Horak (Helena, in Demetrius verliebt), André Lassen* (Lysander, in Hermia verliebt), Till Alexander Lang* (Demetrius, in Hermia verliebt), Emanuel Jessel (Puck, ein Elf), Sven Brormann (Egeus, Hermias Vater / Peter Squenz / Elfe), Metin Turan* (Klaus Zettel), Robin Krakowski* (Franz Flaut / Elfe), Emil Schwarz* (Hans Schnock / Elfe)


Presseecho

Eine anregende Inszenierung, schreibt die Wilhelmshavener Zeitung. Regisseur Jan Steinbach hat den Klassiker aus dem 16. Jahrhundert kräftig entstaubt und ihm ein modernes Gewand übergezogen. (…) Spannend, anregend und witzig.
Die Handwerker ähnelten einer Boygroup-Putzkolonne mit einer Vorliebe für Madonna und Bangles-Songs. (…) Steinbach baut dabei zahlreiche Verweise auf die Popkultur ein – von Madonna-Songs über Lysander und Demetrius, die mit ihren Holzfällerhemden und Vollbärten das Sinnbild des „Hipsters“ darstellen, bis hin zur Kritik der Herrscher über das Theaterstück der Handwerker, die an Castingformate wie „Deutschland sucht den Superstar“ erinnert.
Deutliche Gesellschaftskritik übe Steinbach am Umgang der jungen Leute untereinander. Der – eigentlich – schönen Helena wird ständig ins Gesicht gesagt, sie sei fett und hässlich; die wiederum inhaliert aus Frust die Sprühsahne wie Asthmaspray. (…) Das Bühnenbild von Jule Dohrn-van-Rossum zitiert mit bunten Müllsäcken die Mahnung für mehr Umweltschutz. Die Übersetzung von Rebekka Kricheldorf (kühne Bearbeitung (…)und zugleich ein fulminantes Sprungbrett für die spritzigeigenwillige Inszenierung, die durchzogen ist von witzigen Dialogen, cleverem Trash und aktuellen Bezügen: Jeversches Wochenblatt) beinhaltet der WZ zufolge sowohl die anzüglichen als auch die poetischen Aspekte der Shakespeare-Vorlage.
Und: Die Produktion ist von der durchgehend starken Leistung des Schauspielensembles geprägt (höchst fantasievoll von der Bühnen- und Kostümbildnerin Jule Dohrn van Rossum eingekleidet: Jeversches Wochenblatt). Mathias Kopetzki besticht in seinen komplett gegensätzlichen Rollen als arroganter Theseus und als cholerischer aber auch sensibler Elfenkönig, Aida-Ira El-Eslambouly zeigt ihr Können als geschlagene Amazonenkönigin und als wütende Elfenkönigin Titania. Herrlich böse und herablassend zeigen sich Alina Müller als Hermia, André Lassen als Lysander und Till Alexander Lang als Demetrius. Sarah Horak verleiht der Helena einen wunderbar schüchternen und etwas verschrobenen, aber hartnäckigen Charakter. Am besten unterhalten jedoch die Handwerker. Keiner kann auf so witzige Weise auf einem glitschigen Boden ausrutschen wie Robin Krakowski. Emil Schwarz mimt auf nervenzehrende Art hervorragend den etwas zurückgebliebenen Hans Schnock, der sich wie in Zeitlupe Gehör verschafft und damit Peter Squenz (wunderbar genervt: Sven Brorman) in den Wahnsinn treibt, während Metin Turan auf sensible Weise den Klaus Zettel spielt. Die Rolle des Pucks überrascht dagegen etwas als eher gestresster und tollpatschiger Charakter.
Fazit der WZ: Jan Steinbach ist ein spannendes Experiment gelungen. Shakespeare funktioniert auch zeitgemäß interpretiert – sofern man sich darauf einlassen kann.
Und das Jeversche Wochenblatt kommt zu dem Schluss: Bis auf eine Szene, in der Hans‘ Sprachhemmung den Witz leider etwas überdehnt, besticht die Inszenierung mit unendlichem Einfallsreichtum und mit Pointen, die die Besucher mit viel Gelächter und Szenenapplaus frequentieren. So einen „Sommernachtstraum“ hat es mit Sicherheit noch nicht gegeben.
Der Ostfriesische Kurier ist sich nicht ganz sicher, was von der Inszenierung zu halten ist, kommt am Ende aber doch zu einem positiven Resümee. Mit dem Shakespeare, den man meint zu kennen, hat das alles nicht mehr viel zu tun. Ist wohl so gewollt. Schauspielerisch begeistern konnten laut Zeitung vor Allem Hans (genial gespielt: Emil Schwarz) und Franz (genial zumindest im Dauerhinfallen: Robin Krakowski) sind nur ein Mosaikstück im großen Ganzen. Am Ende bleibt das positive Fazit, dass man diesen Abend mit einem fragenden und einem lachenden Auge nicht so schnell vergessen wird.
Auch die Rheiderland Zeitung ist von Auftritt des Ensembles begeistert: Die Inszenierung ist von guten schauspielerischen Leistungen geprägt. Alina Müller als Hermia, Andre Lassen als Lysander und Alexander Lang als Demetrius sind verliebt, böse und verletzend, Sarah Horak übertrifft sie aber als schüchterne, etwas schräge aber auch energische Helena. Mathias Kopetzki ist ein arroganter Theseus und ein erst verärgerter, dann jedoch mitfühlender Oberon. Aida-Ira El-Eslambouly spielt eine derbe Amazone, aber auch die Fee Titania, die in einer Szene wunderbar verträumt die zarte Poesie des Stücks deutlich werden lässt. Publikumslieblinge sind die Handwerker als Laienschauspieler.

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