Fantasticks

THE FANTASTICKS

Harvey Schmidt / Tom Jones / Premiere am 13. Februar 2016

Die Väter zweier Familien wollen ihre Kinder, Luisa und Matt, unbedingt verkuppeln. Also inszenieren sie eine Familienfehde, in der Hoffnung, dass die Kinder sich gerade wegen des Verbots füreinander interessieren. Sie engagieren reisende Schauspieler, die eine Entführung Luisas vortäuschen sollen, damit Matt sie heldenhaft retten und so die Fehde beenden kann. Als Luisa und Matt den faulen Zauber durchschauen, wenden sie sich voneinander ab. Man kann genretypisch wohl trotzdem mit einem Happy End rechnen, aber der Weg, den die beiden bis dahin zurücklegen müssen, ist ganz schön weit …Die Off-Broadway-Uraufführung von THE FANTASTICKS hat tatsächlich alle Rekorde gebrochen und lief in 17.162 Vorstellungen 42 Jahre lang. Die poetische Sprache und die fröhlich-einfallsreiche Musik mit so berühmten Melodien wie „Try To Remember“ haben sicherlich zum Erfolg beigetragen. Das Stück ist weltweit unzählige Male nachgespielt und mehrfach verfilmt worden.


Regie Olaf Strieb
Musikalische Leitung Erich A. Radke
Bühne & Kostüme Herbert Buckmiller
Dramaturgie Peter Hilton Fliegel

Regieassistenz & Soufflage Tomke Mindner
Inspizienz
Gustav Boehm / Birgit Stuckenbrok

 

Mit Vasilios Zavrakis (El Gallo), Ben Knop (Matt), Mechthild Grabner (Luisa), Christoph Sommer (Bellomy), Helmut Rühl (Hucklebee), Thomas Marx (Henry), Robert Lang (Mortimer), René Schack* (Der Stumme)
Musik Christian Hiltawsky (Schlagzeug, Vibraphon, Violine), Florian Oberlechner (Akkordeon)


Presseecho

Die Inszenierung in deutscher Sprache zeigt, wofür die Landesbühne Nord auch steht: für deutliches, dem Publikum zugewandtes Theater, schreibt die Nordwestzeitung aus Oldenburg. Und weiter: Zwei Musiker, Christian Hiltawsky und Florian Oberlichter, sorgen für ansprechende, oft an Brecht/Weill erinnernde Musik. Und auf fast leerer Bretterbühne bekommen wir, was man nicht oft im Stadttheater bekommt: liebevoll inszenierte Unterhaltung.

Die Wilhelmshavener Zeitung bestätigt: Erich A. Radke bewies in seiner Funktion als musikalischer Leiter, wie gut das Akkordeon zur Inszenierung von „The Fantasticks“ passt.

Und das Jeversche Wochenblatt stellt fest: pausenlos im Einsatz sind die Musiker Florian Oberlechner (Akkordeon) und Christian Hiltawsky (Schlagzeug, Vibrafon, Violine, singende Säge): Sie schaffen nicht nur während der Songs, sondern auch der Spielabläufe eine hervorragende melodische Illumination und überzeugen die Besucher einmal mehr von der guten Akustik des neuen Studios.

Lob gibt es auch für die Schauspieler: Alle sind in dem kleinen Broadway-Musical mit Herzblut dabei, die Väter (Helmut Rühl und Christoph Sommer), die oft melancholischen Kinder (Mechthild Grabner, Ben Knop), auch der geheimnisvolle Schönling El Gallo, gespielt von dem sehr präsenten Vasilios Zavrakis. Daneben glänzen als komische Typen Thomas Marx und Robert Lang, beobachtet die NWZ. Als einen Kniff der Inszenierung freut sich die Zeitung außerdem über Pantomine Rné Schack. Er beherrscht die stille Kunst eines gut sichtbaren Geistes, der sogar eine steinerne Mauer darstellen kann.
Die WZ schreibt: beinah niedlich, wie vernarrt die beiden Teenager ineinander sind. Und: Ebenso herrlich, wie sie sich später anfeinden. Vasilios Zavrakis überzeugt wieder einmal in der Rolle des charmanten und doch irgendwie tiefsinnigen Bösewichts. Unterhaltsam sind Helmut Rühl und Christoph Sommer als gleichzeitig verfeindete und befreundete Väter. Eine charmante Abwechslung zu diesem Zwist sind die beiden reisenden Schauspieler. Thomas Marx präsentiert sich großartig als selbstherrlicher Profi seiner Zunft und Robert Lang zeigt wunderbar mit ganzem Mimik- und Körpereinsatz, dass Sterben gar nicht so leicht ist. Eine besondere Beachtung gebührt aber der Mauer. Pantomime René Schack zeigte in Perfektion, dass es keiner Worte bedarf, um Stimmungen zu vermitteln oder die Handlung vorantreiben.
Mit faszinierendem Minenspiel repräsentierte er sowohl die allgegenwärtige Mauer, als auch Blumen oder sonstige Wesen oder Gegenstände.

Für das Jeversche Wochenblatt waren es drei Paare, die sich in die Herzen der Zuschauer spielten: die Liebenden Luisa und Matt, ihre Väter Hucklebee und Bellomy und das Schauspieler-Duo Henry und Mortimer. (…) Luisa erscheint dank Mechthild Grabner als sehr romantische und dann auch wieder keck-aufmüpfige Seele, Ben Knop zeichnet überzeugend die Entwicklung des jungenhaften Matt zum selbstbewusst-mutigen Mann, an den Vätern Helmut Rühl und Christoph Sommer kann man sich wegen ihres köstlichen Spiels und Schlagabtauschs einfach nicht sattsehen und Thomas Marx und Robert Lang füllen ihre Rollen des Schauspielerduos mit derartiger Komik und Absurdität aus, dass Becketts Figuren des Estragon und Wladimir aus „Warten auf Godot“ herzhaft grüßen lassen.

Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, hat Strieb die Rolle des Stummen in dieser Inszenierung erheblich ausgeweitet: Vom Anfang bis zum Happy End ist der Schauspieler und Pantomime René Schack in Bewegung, erzählt in Mimik und Gestik Handlungsabläufe, kommentiert allein mit seinem Mienenspiel und sogar ikonographischen Körperhaltungen, stellt die Mauer zwischen den Gärten dar, lässt es trickreich regnen und schneien und hätte die anderen Darsteller glatt an die Wand spielen können. Doch das passiert nicht, dank des kongenialen Zusammenspiels und auch der wunderbaren Choreographien.

Das Bühnenbild von Herbert Buckmiller: minimalistisch, beobachtet die WZ, bewusst einfach gehalten, urteilt das Jeversche Wochenblatt und die NWZ kommt zu dem Schluss: Mit wenig viel erreichen – typisch für die Landesbühne. Wie gut, dass wir sie haben.

Und die Regie: Das Musical, bei dem der Landesbühnenintendant Regie führte, sprühte schier vor Darstellungskraft, akrobatischen Choreographien, in die sämtliche Schauspieler eingebunden waren, szenischen Pointierungen und einer hinreißenden musikalischen Umrahmung. Gemeinsam mit dem Dramaturgen Peter Hilton Fliegel und Erich A. Radke als musikalischen Leiter hatte Strieb im dem Stück von Harvey Schmidt und Tom Jones akribisch jede Möglichkeit, die die Vorlage bot, aufgegriffen, um das meistgespielte Off-Broadway-Musical der Welt mit feinsinnigen Schliffen auch in der Jadestadt strahlend glänzen zu lassen, findet das Jeversche Wochenblatt. Fazit: Ein ungemein dichtes, kurzweiliges und höchst unterhaltsames Theatervergnügen, das dem „TheOs“ einen absolut würdigen Auftakt bescherte.

Menü