ANTIGONE

Sophokles / deutsch von Friedrich Hölderlin, bearbeitet von Martin Walser und Edgar Selge
Premiere am 21. November 2015

2015 / 2016            

Sophokles / deutsch von Friedrich Hölderlin, bearbeitet von Martin Walser und Edgar Selge / Premiere am 21. November 2015

Die Brüder Polyneikes und Eteokles haben sich im Streit um Theben gegenseitig erschlagen. Also übernimmt ihr Onkel Kreon die Herrschaft. Er lässt Eteokles bestatten und verfügt, dass Polyneikes‘ Leiche liegen bleibt, da dieser die Stadt angegriffen hat. Wer den Befehl missachtet, dem droht der Tod. Mit dieser Maßnahme versucht Kreon, den Bürgerkrieg endlich zu beenden.Die beiden Schwestern der Toten, Antigone und Ismene, sind zwar verzweifelt darüber, dass ihrem Bruder die Totenruhe verweigert wird, können sich aber nicht auf gemeinsames Handeln einigen. Während Ismene die Götter um Verzeihung bittet, will Antigone ihren Bruder beerdigen – als Akt des Widerstands gegen Kreon.

Zwei Prinzipien prallen in Sophokles‘ Tragödie aufeinander: Ewige Naturgesetze, also die Treue dem Bruder gegenüber, die für Antigone nicht verhandelbar ist, und eine menschengemachte Gesellschaftsordnung, also das Wohl des Staates, das für Kreon an oberster Stelle steht. Beide beharren stolz auf ihrem Standpunkt und können deshalb einem Konflikt auf Leben und Tod nicht mehr ausweichen …

Regie Eva Lange
Bühne & Kostüme Ulrike Obermüller
Dramaturgie Peter Hilton Fliegel

Regieassistenz Lotta Seifert
Soufflage Jannika Wübben
Inspizienz Udo Heinrichs
Sprechcoaching Deborah Ziegler

Mit Zenzi Huber (Antigone), Aida-Ira El-Eslambouly (Ismene), Sven Brormann (Kreon), Robert Lang (Haimon), Aom Flury (Wächter / Bote / Teiresias), Ramona Marx (Eurydike), Fabian Monasterois (Chor), Robin Wegner (Polyneikes)

Presseecho

Eine sehr stimmige Inszenierung attestiert die Wilhelmshavener Zeitung. Mit Blick auf den 2500 Jahre alten Stoff und die 200 Jahre alte Übersetzung schreibt das Jeversche Wochenblatt: … man sollte vermuten, das sei schwer verdauliche Theaterkost. Ist es aber nicht, wenn eine Regisseurin vom Format der Oberspielleiterin Eva Lange den klassischen Stoff an der Landesbühne Niedersachsen-Nord inszeniert.

Lob ernten die Schauspieler, allen voran die Hauptdarsteller: Zenzi Huber ist eine starke Antigone, findet die Wilhelmshavener Zeitung. Die perfekte Besetzung meint auch das Jeversche Wochenblatt.

Über Antigones Widersacher (glänzend, WZ) schreibt das Blatt: der herrschaftsverliebte Kreon, Typ moderner Politiker, der am Anfang vor Coolness nicht laufen kann und am Ende an seiner eigenen, tödlichen Machtvollkommenheit scheitert, großartig verkörpert von Sven Brormann.

Und dann seien da noch die verunsicherte, zwischen Geschwisterliebe und Pflichtgefühl hin- und hergerissene Schwester Ismene, so zurückhaltend wie glaubwürdig gespielt von Aida-Ira El-Eslambouly. Und: Aom Flury, der äußerst ausdrucksstark und wandelbar den Wächter, den Boten und Teiresias, den Seher, darstellt.

Ramona Marx als Euridyke bewegt sich während der ganzen Aufführung schweigend auf der Bühne, um dann zum Schluss einen flammenden Monolog (JeWo) zu halten. Beide Tageszeitungen unterstellen ihr eine starke Bühnenpräsenz.

Robert Lang spielt  eindrucksvoll, (WZ) und gefühlsstark (JeWo) Antigones Verlobten, den Königssohn Haimon. Die schwierige Aufgabe, den  Chor zu verkörpern, meistert Fabian Monasterios mit Bravour (JeWo) und überzeugend (WZ). Unglaublich (JeWo) Robin Wegner als die ständig gegenwärtige Leiche des Polyneikes.

Das Bühnenbild von Ulrike Obermüller untermalt die düstere Tragik des Stücks ideal, so die Wilhelmshavener Zeitung. In den Kostümen sei die Überzeitlichkeit des Stücks außerdem charmant eingearbeitet. Das Jeversche Wochenblatt bemerkt: Ulrike Obermüller hatte sich entschieden, die große Bühne komplett in Schwarz zu gestalten – mit Wandpodesten, unsichtbaren Türen, mit Stühlen und einem gewaltigen, altargleichen Tisch –, die ohne jeglichen Umbau als Königspalast, Schlachtfeld, Versteck, Gruft oder was auch immer diente und der Regie die Möglichkeit gab, die Darsteller äußerst dynamisch in Bewegung zu halten, auf der Bühne wie an den Wänden.